Die SPD beerdigt sich zweiter Klasse

Die Groko hat fertig

OK Boomer

 

"Was für ein epochaler Fehler es war, die Moderne für beendet zu erklären, ohne einen brauchbaren Ersatz dafür bereit zu halten, sehen wir jetzt." (Isaac van Deelen - oder war der Satz gar nicht von mir?)

Führung – auf der Suche nach dem Personal (Foto © Olaf Kosinsky on Wikipedia)

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Wir diskutieren das Schicksal der SPD als sozialdemokratisch. Besser erscheint mir der Hinweis von Jürgen Kaube, dass der Kunstraub von Dresden möglicherweise nur für die Museumsverantwortlichen ein KUNSTraub war, für die Täter jedoch bloss eine Materialbeschaffung. Das auf die SPD übersetzt: es wird als parteiliches Versagen bewertet, was aber im Kern und kausal eine gesellschaftliche Implosion ist. Die mit der SPD auch, aber nur am Rande, nein, am Rändchen zu tun hat. Und deswegen ist der Hinweis darauf, dass der jetzt beschlossene Untergang der SPD mit der Mitte-links oder Mitte-rechts-Ausrichtung der Kandi*s nichts zu tun hat, auch nur eine Nebenbemerkung, sozusagen der Vollständigkeit halber. 

An der Front ist Politik immer Personalpolitik, inhaltlich ist Politik nur in der Etappe.

Frau Eskens hat Recht, wenn sie eine etwa fehlende mediale Positionierung nicht für das entscheidende Kriterium einer Führungsaufgabe hält, und jeder Mensch wächst an seinen Aufgaben. Es braucht dafür aber doch eine Grundlage, so etwas wie Strahlkraft, Charisma, intellektuelle Präsenz und dann auch einen programmatischen Willen. Und davon ist nichts zu erkennen, und deswegen ist die Wahl für die Partei ein Desaster. Als ein Bildausschnitt der Gesellschaft haben die Sozialdemokraten allerdings nur die müpfigste Basis von allen (auf-müpfig würde ja andeuten, dass sie etwas wollen, müpfig dagegen besagt, dass sie lediglich etwas fühlen). Öffentlich vollzieht sich das Drama, weil es in der SPD Usus geworden ist, Beissschienen zu tragen, zugleich aber die Partei verlernt hat, die Pobacken beieinander zu halten. Die fatale Kombi mündet in einer Mehrheitsentscheidung für die Bedeutungslosigkeit.

Von der SPD also ist nichts mehr zu erwarten. Von wo dann?

Wir sehen die Grünen in ihrer christdemokratischen Verpuppung, wir sehen die Linke mit der SPD über die Erbschaft streiten, wir sehen, wie die CDU gleichsam ins Reich Gerd Dudenhöfers übersiedelt. Die Malerarbeiten bei der FDP sind (nowadys zwangsläufig: krachend) an ihrem Vorsitzenden gescheitert. 
Gut: dass in der CSU die Haltung und nicht etwa ein Programm für höhere Weihen qualifiziert, das ist jetzt nicht neu; und jeder (r!), der auch nur andeutungsweise den FJS geben kann, ist hinreichend geeignet, den bayerischen Lobbyverbänden zur Geltung zu verhelfen. Deutschland – mit sich selbst beschäftigt.

Usw., usf. möchte man klagen.
Genügend Material für Spott und Häme allemal! 

Doch auch diese vermeintliche Auf- und Abgeklärtheit überblickt den Tellerrand nicht: Ein aufklaffendes Vakuum in einer (vermeintlich oder tatsächlich) eingeschwungenen Gesellschaft, das lehrt die Geschichte, wird immer von den Rändern her gefüllt. Gelegentlich ist das gut, wenn nämlich das Juste Milieu sich allen Notwendigkeiten widersetzt. Man könnte also, OK Boomer, die Zerstörung und den Zerfall des Hauses Usher für eine historisch notwendige Entwicklung halten, wäre da eine aussichtsreife Alternative. Just do it, Millenials! 

Da ist aber nichts.
Also gar nichts!

Die, es verbiegt mir die Finger, es so zu schreiben, tatsächlich sich anbietende "Alternative" kennt für kein Problem eine Lösung, während sie zugleich die maximale Zerstörung der Bedingungen der Möglichkeit verspricht, und wo nicht, die Wiedergeburt des Faschismus.

Wir sehen nicht den Verfall der SPD, sondern den der Gesellschaft. Die „Groko ist fertig“, konstatiert die Katja mit den roten Pumps. 

Und dann. 
Nicht jedem Anfang wohnt ein Zauber inne.