Arbeit am Epochenwechsel

Isaac van Deelen

Quote of the day

15-01-2022

The "yellow" Chinese have oppressed Vietnam for a thousand years - and Tibetans and Uyghurs today. Racism and manslaughter are human history, the machine murder of millions is unique in the intention as well as in the execution.
Comparing Holocaust with foreign rule? Here you go, but with a sharp scalpel and without a political agenda that portrays Europe alone as a world evil, as if imperialism were a matter of skin color. And without rampant prohibitions on language and thought. Colonialism is not the same as the Shoah, and Putin is not Hitler. Even well-intentioned taboos pave the way to the "immaturity" that Kant rightly castigated.

(Das deutsche Original fällt unter das Leistungsschutzrecht.)
Ceterum censeo LSR esse delendam.

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JOSEF  JOFFE

Frühjahrsvormüdigkeit

16-01-2022

Es ist dunkel, trübe, nass und kalt. Dazu langweilig.

 

Irgendwie mühsam war das Jahr seinem Ende zu geschlichen.
Schon richtig, so ein „Jahr“, das tut gar nichts. Es war diese Stimmung überall, durchaus ruhig, aber eben auch unwillig, genervt.

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0. Das schwarze Loch

Die Wahl, das war schon ein Aufreger, und wenigstens der hatte Dich ordentlich beschäftigt. Das war nun Vergangenheit. Die müssen jetzt erst mal regieren. Leider: Corona, Corona, Corona, und dann das Geraune, was die Ampel alles nicht hinkriegen würde oder falsch macht. Auf der Seitenbühne Putin, Nato, Krieg – und dann wieder Corona, quer und laut. Du warst müde von all dem.

Wir haben natürlich gebührenden Respekt vor dem Virus, aber, weisst Du, wenn eine Krise in die Jahre kommt, da nimmt die Aufregung irgendwie ab; da nimmt die Gleichgültigkeit irgendwie zu. Du hattest das mit dem Heinz Rühmann und der Marika Röck und dem ganzen albernen Kriegsgedudel nie recht verstanden: jetzt aber verstehst Du es.

„LASS mich in Ruh mit dem Scheiss!“

Es ist das schwarze Loch. Ob Du gewonnen hast oder verloren, wenn es vorbei ist, ist da dieses schwarze Loch. Was jetzt!, gähnt es, wohin? Warum? Bist Du Publikum, ist es noch schlimmer: tun kannst Du nix. Was für eine gemütliche Zeit war das unter Merkel. Als Opposition warst Du staatstragend für Merkel – und gegen ihre Politik. Wie cool das war: Du konntest ihre Rolle auf der internationalen Bühne preisen, klug oder wohlwollend Pros und Cons listen, und für Zuhause konntest Du echt prima den Knüppel aus dem Sack lassen: 16 verlorene Jahre, mimimi. Klima, Digi, mimimi. Es war so einfach, lustvoll sogar.  

Und jetzt bist Du Regierung. Jetzt hat es Deine Koalition ins Amt gespült, die zu tun verspricht, was sie in der Opposition gefordert hat. Die Minister geben ihre Erklärungen ab: „Das und das wollen wir tun, beschliessen, bezahlen, verbieten“. Was willst Du jetzt sagen? Na gut: Du bist „nur“ Publikum, aber eben Regierungspublikum.

I. Opposition ist Mist

Erstens: Gib sie ihnen, die 100 Tage. Das ist eine politisch zivilisierte, gute Praxis. Besser jedenfalls als die der FAZ, die über Karl Lauterbach bereits herzog, als er grad mal nominiert war. Noch an dem Montag unkte die Zeitung, dass der Karl, Lob seiner Expertise, der Aufgabe nicht gewachsen sei, leider, schneuz. Keine Schonfrist war schneller vorbei, als die 100 Tage dieser Regierung. Und Du brauchst sie auch, die 100 Tage. Das muss sich doch erst mal klären, in Deinem Kopf, wo Du Dich jetzt hinstellst. Da droht ja auch ein Dilemma.

Wir können das in den USA beobachten. Man kann kaum erleichterter sein, dass der Herr Trump jetzt in Florida sitzt, und man kann kaum ernüchterter sein, wie der Herr Biden jetzt agiert, wie er die Frau Harris nicht positioniert. Ein alter Mann, leider, er hat auch mal gute Tage, aber …; und die liberale Presse quält sich, tut sich schwer. Mit dem Ermuntern beginnen die einschlägigen Texten bereits in der Headline: Biden schafft Arbeitsplätze! (Naja, allzu erstaunlich ist das nicht …) Infrastrukturpaket beschlossen! (Naja, es sind Schulden …) Aber trotz mancher Kritik, bei all dem republikanischen Schwachsinn will man mit der Opposition nicht im selben Boot sitzen.

Andreas Reckwitz schrieb: „Die Gesellschaft der Singularitäten“

06-12-2021

Ein Nach Ruf

 

Andreas Reckwitz hat mit "Die Gesellschaft der Singularitäten" einen regelrechten Knaller publiziert, fast möchte man sagen: eine Singularität, einen Bestseller der "Schwarzbrotfraktion". Das passiert wahrlich selten. Ihm hat es einen festen Platz in der deutschen Meinungselite gesichert. Wie immer viel zu spät – bin ich anderer Meinung.

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I.

Als gelernter Berater kenne ich mich mit BullShitBingo (BSB) ein wenig aus. Dabei handelt es sich um eine Kommunikationstechnik, die, wie ich glaube, zwei Effekte anstrebt:

  • Zum Einen geht es in der mitunter barocken Begrifflichkeit darum, einen banalen Sachverhalt mit dem Anschein von Expertise und (akademisch angehauchter) Exaktheit zu überhöhen und aufzupeppen; auch ist man vom Fach und verfügt über das herrschaftliche Stichwort-Wissen.
  • Zum anderen, und das auch auf der Seite der Rezipienten, verdecken Einsatz und Resonanz des BSB einen strukturellen Konservatismus, ein Abwehr-Code, dem eher daran gelegen ist, das Bestandsdenken frisch anzumalen, als darum, tatsächlich die Richtung zu ändern. Um etwas ändern zu wollen, müsste man es beim Namen nennen; hinter fachsprachlichen Firewalls bleiben die Kritiker wie die Verhältnisse wohl behütet.

Ich habe lange geglaubt, dass diese Attitüde sozial (hüstl) konnotiert ist und in einem wirtschaftlichen orientierten Hipster-Umfeld ihre Heimat hat.
Nein, ist sie nicht, hat sie nicht.
Seit dem ich mich wieder öfter und intensiver mit gesellschaftlichen Themen beschäftige und hier versuche, auf die Höhe der verschiedenen (hüstl) Diskurse zu kommen, stelle ich fest, dass es im akademischen Milieu anderen, aber doch vergleichbaren Begriffsmüll gibt. Adorno diagnostizierte 1964, lange her, einen „Jargon der Eigentlichkeit“; natürlich tönt der Jargon heute anders.

II.

Andreas Reckwitz (AR) hat bei mir einen schweren Stand. Ich erwarb die – whow! – bereits dritte Auflage noch im Jahr der Veröffentlichung 2017, um mir ein Bild von dem Hype zu machen, der seinerzeit das Feuilleton berauschte; ich kam nicht weit. Es ist ja wie verhext: Wenn so ein sperriges Werk dermassen durch die Decke geht, glaub ich ja gern, dem Autor sei die Rettung der Welt gelungen. Aber wenn ich dann auf den ersten 50 oder 100 Seiten vor Enttäuschung in mich zusammensinke, da kommt mir so ein beissender Ärger auf, der mich alle Konzentration kostet. Ich schimpfe dann und keckere und kann nicht wirklich weiter lesen. Abgesehen von der BSB-Sprache kam mir der Ärger im Falle AR mit seiner begrifflichen Annexion: Die Singularität.

Michael Köhlmeier schreibt "Matou"

40 Stunden mit Matou

Wir sind erschöpft.

 
13-12-2021
6136

Bei manchen Büchern entwickeln wir so eine Leselust, dass dieser schwebende wachträumende Zustand nicht oder gar nie aufhören möge. Nach 40 Stunden mit Michael Köhlmeier und seinem Matou sind wir – erschöpft. Ich würde liebend gern gut und begeistert darüber berichten, allein, bei aller Sympathie, das klappt nicht. Auf den einfachsten Nenner gebracht: das Buch hat 1000 Seiten, und es ist um die Hälfte zu lang.

Über die gesellschaftliche Verfasstheit

The China Syndrome

Entschlossenheit, Demokratie – oder beides?

 
19-11-2021
19183

Auf Facebook kommentiert Dirk Specht einen Text aus der NYTimes über „China’s Xi Jinping Remakes the Communist Party’s History in His Image“. Die Notiz liegt schon ein paar Tage zurück, weil Facebook es für richtig befand, mir das erst gestern anzuzeigen …. Das macht aber nichts: die angesprochenen Fragen sind langfristiger Natur.

5 Punkte zugelegt – Bravo!

Historie – dem Feminismus geopfert

Wählerpotential halbiert: Schnell ist alles vergessen.

 
27-09-2021
12799

„Die kommende Wahl ist historisch“ – das war meine Überzeugung vor einem Monat. Herausgekommen ist ein historischer Katzenjammer, der jetzt von Berufenen und Plappernden schön geredet wird. Neuerlich zeigt die Medien-Demokratie ihre Fratze: WAS haben wir eigentlich gewählt?

12-09-2021
9044

Winds of Change im

 
02-09-2021
1881

Mikado

 
30-06-2021
6184

Ich bedaure, es sagen zu müssen:

 
11-06-2021
4721

The Apple Nation

 
02-06-2021
7069

Ich sass am Frühstückstisch und las

 
22-05-2021
16578

Noch 126 Tage bis zur Wahl

 
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11-05-2021
9962

Noch 137 Tage bis zur Wahl

 
01-04-2021
9832

Sonntagsfragerei

 
19-03-2021
11494

Gretchen fragt

 
25-02-2021
14741

Über Klarheit

 
30-01-2021
9437

Das Recht

 
07-01-2021
1468

Burning Down the House

 
27-12-2020
15794

Corona as a Metaphor

 
11-12-2020
16759

Corona als Metapher

 
16-11-2020
7543

Heribert Prantl kämpft

 

Weltrettung zufällig entdeckt?

Das öko-liberale Narrativ ist – ein Phasenmodell

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne …

 
18-10-2021
26427

Die Frage nach dem Narrativ hat ihre besten Tage hinter sich. Nachdem es vor Jahren in Mode geriet, hatte es sich wie eine Mischung aus Schleimspur und rotem Faden durch die Feuilletons gezogen: nirgendwo fehlte es nicht. Fragst Du Google, fehlt es der EU, der Schweiz, der SPD. Der Deutschlandfunk dagegen versendet einen Kommentar von Christian Schüle, der das Gerede für Unsinn hält: „Wer Stories will, soll Krimis lesen!“

Ja, was denn nun!

Die Ursachen der Krise

Die Drei von der Baustelle

Die Kandidat:innen sind Zeichen der Zeit

 
19-08-2021
51936

Kommentatoren und Wahlvolk sind sich einig: die Kandidaten überzeugen nicht, mobilisieren nicht, motivieren nicht. Armin L. ist schlicht der falsche, Annalena B. macht schlicht zu viele Fehler und Olaf S. hat schlicht die falsche Partei – so die Lage am Freitag, dem 13.. Aber würden "bessere" Kandidat:innen die Probleme lösen?

Das Wirtschaftsforum der SPD schreibt

Made in Germany – not in Europe

eine Transformationsstrategie

 
18-06-2021
39133

Nachdem die Völker endlich die Signale gehört hatten, beeilten sich die Parteien, von der grossen Transformation zu reden. Mehr … war noch nicht, aber immerhin. Unter dem Titel „Made in Germany 2030“ hat das Wirtschaftsforum der SPD ein 47 Seiten-Papier vorgelegt, dass in 9 Abschnitten die Transformations- und Industriestrategie der Partei umreisst. Eine kritische Besichtigung.

Juli Zeh schreibt Über Menschen

Ein Kammerspiel

 
25-04-2021
4990
Durch's wilde Populistan

Anmerkungen zum Frontverlauf

 
13-04-2021
21108
Soziale oder

asoziale Medien

 
20-01-2021
24383
Die Regierung Röttgen tritt an

Isch seh schwazz!

 
01-01-2021
17206
Richard David Precht schreibt "KI und…

Im Trippelschritt dem Abgrund zu

 
24-10-2020
36973
Sascha Lobo geisselt die Putinfreunde

Nun sag, wie hast du's mit der Religion?

 
27-09-2020
33167
Richtig gut oder schlecht falsch

Ein Essay – attacca

 
21-09-2020
24857
Eine Verlorene Liebe

Suits – und die Folgen

 
25-08-2020
21238
Richtig gut oder schlecht falsch

Ein Essay – ritenuto

 
01-08-2020
35788
Verstörende Zerstörung

Von Trump lernen heisst … was?

 
28-07-2020
24806
Sebastian Haffner schrieb: "Geschichte…

Nicht mehr dran glauben können

 
10-07-2020
18581
Maja Göpel schreibt »Unsere Welt neu…

Nach der Behauptung. Vor dem Entwurf

 
21-05-2020
23878
psssst

Klappe halten!

 
28-03-2020
20338
Dietmar Dath schrieb „Maschinenwinter“

Vorwärts, Genossen, es geht zurück!

 
27-01-2020
31890
Dietmar Dath schreibt Neptunation

Relativ zeitliches kosmisches Gerangel

 
19-01-2020
383

Der Text war bereits in der ersten Version ("Tractatus Mundo Digitali") ein abenteuerliches Unterfangen; eigentlich müsste man sagen: in der zweiten Version, wenn man den Versuch von 1921, das berühmte "Tractatus logico-philosophicus", mitzählt. Naja, wer will sich denn heute noch mit dem ollen Plunder beschäftigen. Und so beglückt Wittgenstein uns von Zeit zu Zeit mit einem neuen Versuch, das notwendige Denken auf den aktuellen Stand zu bringen.

Dieser neue Versuch, das hier angekündigte "Tractatus II", ist in Arbeit; noch ziert sich der Autor, aber bald ... 

 

Die (alte) WebSite zum "Tractatus Mundo Digitali" 

Der Teil 1 – der es sich zum Ziel gesetzt hat, die grossen Risiken unserer Zeit zu diagnostizieren, erschien zum denkbar günstigsten Zeitpunkt: am 28-02-2020. Vom Risiko einer Pandemie war nicht die Rede. Tja. Ehrlich gesagt: die Wenigsten hatten das auf dem Radar. Und an den Risiken: Finanzindustrie, Digitalisierung, Klimawandel und Migration – hat sich ja nicht viel geändert.

Das Buch steht zum Download bereit

komplett
Kapitel 1 Ökonomie
Kapitel 2 Digitalisierung
Kapitel 3 Ökologie
Kapitel 4 Migration
Kapitel 5 Nuklear, Corona et all.

Forget Wittgenstein “2.0” ein MultiMedia eBook komplett überarbeitet*

Lesebuch 15 Short Stories plus 1 "Bonustrack", ca. 289 Seiten
Hörbuch 15 Audiotracks plus 2 "Bonustracks", ca. 510 min
Videobuch 13 Videos, ca. 80 min Bilderbuch ca. 220 Abbildungen

* die Version 2.0 ist im Apple BookStore zum Preis von € 7,99 erhältlich
p.s. Das überarbeitete Tractatus II wurde in eine eigene Edition ausgegliedert