Arbeit am Epochenwechsel

Isaac van Deelen

Quote of the day

11-05-2022

The Internet is exceptionally stupid. More precisely, the architecture of social networks rewards people for being willing to do exceptionally stupid things. All social networks function according to a simple logic of approval or rejection in the form of likes. Anyone who suddenly arrives there with ambivalence is more likely to go down. This is always frustrating when something complex happens in the real world that then somehow has to be squeezed into the simple scheme of like and dislike of social networks.

>
SOPHIE  PASSMANN

Ost und West

19-05-2022

Debatten von Gestern

 

Der Film über Uwe Tellkamp und das Dresdener Elbhang-Bürgertum auf 3SAT gestern Abend hat mich einigermaßen erschüttert. Der zentrale Aspekte in dieser Auseinandersetzung interessiert mich gar nicht: Ob er rechts ist, abgedriftet ist oder der Neuen Rechten Vorschub leistet. Mich beschäftigt mehr die Frage, ob uns ein solcher Konflikt beschäftigen sollte.

Average: 5 (2 Bewertungen)

Nicht unerhebliche Teile meiner politischen Ausbildung fanden im H VI der Frankfurter Universität statt. Dieser H VI ist der größte Hörsaal der Uni – zumindest war er das damals. Ich war dabei als Christa Wolff aus ihrer Kassandra las (ein Grossbild in der U-Bahn Bockenheimer Warte zeigt die Veranstaltung), hier fanden zahllose Diskussionen und auch die legendären Sponti-VVn statt (ein anderes Bild in der Bockenheimer Warte – ich irgendwo mittendrin). Auch Dany Cohn-Bendit hat hier oft gesprochen; von ihm habe ich den Trick gelernt, zu sprechen, bevor Du „dran“ bist (hilft sehr gut gegen Lampenfieber!). Sein französisch-verschliffenes Deutsch, er sprach stets in der ihm eigenen assoziationsfordernden Halb-Satz-Diktion, war ein anderer Erfolgsfaktor. Ich hab ihn mehr mit dem Bauch als mit dem Hirn verstanden. Glasklar dagegen und für mein Leben im Gedächtnis blieb mir sein Voltaire-Zitat, dass er dem brodelnden, grölenden und zum Niederbrüllen von ich-weiss-nicht-mehr-wen bereiten 1000-Köpfigen Sponti-Publikum ins Stammhirn brüllte: „Ich verachte Ihre Meinung, aber ich gäbe mein Leben dafür, dass Sie sie sagen dürfen.“ Das war einmal das Grundverständnis des linken, liberalen und auch linksradikalen Milieus – von ein paar stalinistischen oder sonstig K-geeichten Sekten einmal abgesehen.

Der Film über Uwe Tellkamp 

Der Eklat Tellkamp begann in einer öffentlichen Debatte mit Durs Grünbein, in der Herr Tellkamp im März 2018 im Verlauf einer zweistündigen Diskussion (sinngemäß) sagte: „95% aller Flüchtlinge sind keine Kriegsflüchtlinge sondern kommen, um in unsere Sozialsysteme einzuwandern.“ In diesem Satz geht es, wie Tellkamp später im Film darlegt, um das „um“. Dass Geflüchtete vom deutschen Sozialsystem versorgt werden, folgt in doppelter Hinsicht dem Gesetz: einerseits dürfen sie nicht arbeiten und andererseits ist der Staat zu ihrer Unterstützung verpflichtet; faktisch, also mit Ausnahme des „um“, sei dem Satz danach nicht beizukommen. An anderer Stelle bezeichnet er diese (unterstellte) Einwanderung in die Sozialsysteme auch als legitim: er selbst würde vermutlich ebenso handeln. Nur müssten eben auch die Folgen für die Einwanderungsgesellschaft gesehen werden. Nebenbei – kam diese Kritik damals an den „offenen Grenzen“ und dem „Wir schaffen das“-Idiom der Kanzlerin auch aus Teilen der liberalen westlichen Öffentlichkeit. Die vor allem, das kommt in der zugespitzten Diskussion leicht unter die Räder, nicht aus einer rassistischen oder fremdenfeindlichen Haltung, sondern aus einer Sorge um die zu erwartenden Verwerfungen in der Gesellschaft entstanden war, also aus Sorge um eine von daher evozierte Eskalation und einen nach rechts aufgreifenden Meinungswechsel in der ganzen Gesellschaft. Der dann auch tatsächlich, mit der AfD, bis ins Parlament ausstrahlte. 

Roberto Simanowski schrieb „Todesalgorithums“

09-05-2022

Realität – KI – Science Fiction 

 

Es gibt einen Wikipedia-Eintrag für den Essay, eine „offizielle“ Definition der Gattung dagegen gibt es nicht. Man liegt nicht ganz falsch, in einem Essay den Versuch zu sehen, ein kulturelles oder politisches Thema in seiner Breite und Tiefe zu behandeln. Genau das macht es schwer, den Essay "Todesalgorithmus" von Roberto Simanowski zusammenzufassen.

Average: 4.5 (2 Bewertungen)

Ein Essay ist ein Versuch.
Was, wenn der gelingt?

Der Essay ruht in seiner Form, geht in ihr auf. Die Argumente sind verflochten, das Thema mäandert im Grenzland von Begriff und Rahmenhandlung, Ästhetik, Ratio, Sachbezug und historischer Einbettung. Das Wie ist wichtig, das Wovon-noch und auch das Warum. Einem guten Essay gelingt es, ein gedankliches Spektrum wie mit mit spitzer Feder präzise zu zeichnen, aber auch wie mit einer Dampfwalze der Schönheit zu präsentieren.
Nur zu sagen, worum es geht, trifft es nicht.   

Probleme gab es vorher schon!

Den Essay „Todesalgorithmus – das Dilemma der Künstlichen Intelligenz“ von Roberto Simanowski (RS) gegen den nebenan tobenden Krieg anzulesen, fordert eine gehörige Verdrängungsleistung. Über Tag schlittert Europa in einen Krieg mit Russland, über Nacht verhakt sich der Titel im Hirn. Und wer, bitte, – wenn die Nachrichten morgens wie abends die Toten zählen – braucht on top of that Probleme aus der Zukunft? Phhh.

Andererseits … verhandelt die Öffentlichkeit derzeit die Frage, ob – Frieden oder Freiheit – es „richtiger“ ist, dass (nur) die Ukraine diesen Krieg erleidet, oder dass die Welt womöglich im dritten Weltkrieg versinkt. Schlechte oder katastrophale, schwache oder dumme oder ausweglose Argumente, ein slippery sloap; wie vom Fliessband versorgt der Kriegsalltag die Galerie mit Dilemmata. Es geht um Leben und Tod; überraschenderweise stellt RS die gleiche Frage.

Denn er spricht vom autonomen Fahren, zumindest beginnt er damit. Das klingt nur auf den ersten Blick nach einer kleineren Nummer.
Google und Tesla haben das autonome Fahren vorangetrieben; noch gibt es ein paar technische Probleme. Doch die Perspektive ist beeindruckend: eine Kombination aus Individual- und Schienenverkehr, die unser Mobilitätsverständnis verändern wird („könnte“ wäre hier definitiv die falsche Verbform). Es ist eine noch immer relativ neue Technologie, die, einmal im eingeschwungenen Zustand, eine massive Reduktion der Unfälle verspricht, die ihrerseits, bei allem Fortschritt, noch immer den Strassenverkehr belasten (in Deutschland sind es 2,3 Mio Unfälle mit 34 Mrd € Schadensumme, 322 Tsd. Verletzten und 2.600 Todesfällen). Gegen so ein Versprechen – oder wenn es darum geht, Menschen mit Behinderung das Leben zu erleichtern – ist kein Kraut gewachsen.

„Es wäre moralisch unverantwortlich, selbstfahrende Autos nicht einzuführen.“ (S. 16) Aber:
„Die Unantastbarkeit der Menschenwürde ist in Gefahr, wenn die Technik verlangt, Abwägungen, die sich philosophisch verbieten, für den Ernstfall zu programmieren.“ (S. 16)

DefCon 2

Vom Zählspiel zum Endspiel

Kriegsgewinnler und Verlierer

 
26-04-2022
14254

Macron!
Nur kann es kaum ermutigen, wenn mal eine von den vielen Nachrichten weniger katastrophal ausfällt. Meine Haltung zu Macron ist eindeutig zweideutig: als Europäer halte ich ihn für (nahezu) unersetzbar, ob ich das als Franzose auch so sehen würde, ist zumindest fraglich. Was soll’s! In Unkenntnis der nationalen französischen Details bleibt mir nichts übrig, als das Kleingedruckte zu ignorieren.

DefCon 2

Mein Leben für mein Leben

Der Aggressor diktiert die Wahl der Waffen

 
22-03-2022
18029

Es ist schwer, auf der Höhe der Entwicklung zu denken; noch schwerer ist es, die deutsche Zurückhaltung gegen die existentielle Not und das Pathos des ukrainischen Präsidenten zu verteidigen; die Frage, die landauf, landab diskutiert wird, lautet gar: ist es nicht sogar unredlich?

DefCon 2

Unprecedented – Olaf Scholz' Rede

Nachtrag zu Ken Follett, 27-II

 
27-02-2022
5166

Ich war versucht, unter der Überschrift „Ein Abgrund an Landesverrat" einen weiteren „Nachtrag“ zu meiner Ken Follett-Empfehlung zu schreiben. Die öffentlichen Aussagen des Inspekteurs des Heeres, Alfons Mais, nach denen die Bundeswehr „mehr oder weniger blank da“ steht, hatten mir neuerlich die Sprache verschlagen; neuerlich, denn die losen Reden von Politikern, Entscheidungsträgern, Lobbyisten oder Journalisten, die seit über einem Jahr über den Zustand der Bundeswehr verbreitet werden, halte ich vor allem dann für unverantwortlich, aber auch für politisch-strategische Dummheiten, wenn sie denn zuträfen.

12-09-2021
9044

Winds of Change im

 
02-09-2021
1881

Mikado

 
30-06-2021
6184

Ich bedaure, es sagen zu müssen:

 
11-06-2021
4721

The Apple Nation

 
02-06-2021
7069

Ich sass am Frühstückstisch und las

 
22-05-2021
16578

Noch 126 Tage bis zur Wahl

 
TAGS:
11-05-2021
9962

Noch 137 Tage bis zur Wahl

 
01-04-2021
9985

Sonntagsfragerei

 
19-03-2021
11494

Gretchen fragt

 

DefCon 2

Darf der Melnyk so reden ?

Eine Reifeprüfung 

 
07-04-2022
19907

Es ist das unterste Mindeste, dass wir jenen Gegenüber Verständnis haben, die in existentieller Not mit harschen Worten andere beharken, von denen sie sich „eigentlich“ Hilfe erwarten. Wenn die Hilfe ausbleibt, oder nicht in der Form geleistet wird, wie sie erwartet wird und womöglich nur so tatsächlich auch helfen würde, sozusagen als Placebo-Hilfe auftritt, wird aus Enttäuschung auch Wut. Deswegen müssen es „Hilfs-Versager“ ertragen, dass sie beschimpft werden, auch wenn sie … unterhalb der geforderten Schwelle … helfen, und im Übrigen „ihre guten Gründe“ haben.

Ken Follett schreibt "Never"

"Never" buchstabiert E-s-k-a-l-a-t-i-o-n

literarisch und inhaltlich mittel, aber überzeugend

 
20-02-2022
7232

Nicht zuletzt ob des unvorstellbaren Erfolges geht es mir wie jenen Bildzeitungslesern, die, wenn sie erwischt werden, versuchen, sich mit „soziologischen Erklärungen“ herauszureden – und dann irgendwas von „der Stimme des Volkes“ oder Ähnliches filusofieren. Ken Follett zu empfehlen geht nicht ohne Vorwarnung.
Aktuelle Ergänzungen, die zunächst hier als p.s. standen, habe ich in den Blog überführt.

Europe is The Battlefield

Europas Interessen im Ukraine-Konflikt

Mehr Initiative, wenn ich bitten darf

 
24-01-2022
26818

Jeder weiss, dass man in Krisen wie dieser der Nachrichtenlage nur bedingt trauen kann: im politischen Poker um die Durchsetzung von Positionen und Interessen wird mit harten Bandagen informiert, und was ich im Photoshop hinkriege, das können die geheimen Dienste schon lange.

Andreas Reckwitz schrieb: „Die…

Ein Nach Ruf

 
06-12-2021
17810
Weltrettung zufällig entdeckt?

Und jedem Anfang wohnt ein Zauber inne …

 
18-10-2021
26427
Die Ursachen der Krise

Die Kandidat:innen sind Zeichen der Zeit

 
19-08-2021
53367
Das Wirtschaftsforum der SPD schreibt

eine Transformationsstrategie

 
18-06-2021
39133
Juli Zeh schreibt Über Menschen

Ein Kammerspiel

 
25-04-2021
4990
Durch's wilde Populistan

Anmerkungen zum Frontverlauf

 
13-04-2021
22522
Soziale oder

asoziale Medien

 
20-01-2021
24383
Die Regierung Röttgen tritt an

Isch seh schwazz!

 
01-01-2021
17154
Richard David Precht schreibt "KI und…

Im Trippelschritt dem Abgrund zu

 
24-10-2020
36973
Sascha Lobo geisselt die Putinfreunde

Nun sag, wie hast du's mit der Religion?

 
27-09-2020
33167
Richtig gut oder schlecht falsch

Ein Essay – attacca

 
21-09-2020
24857
Eine Verlorene Liebe

Suits – und die Folgen

 
25-08-2020
21238
Richtig gut oder schlecht falsch

Ein Essay – ritenuto

 
01-08-2020
35788
Verstörende Zerstörung

Von Trump lernen heisst … was?

 
28-07-2020
24806
Sebastian Haffner schrieb: "Geschichte…

Nicht mehr dran glauben können

 
10-07-2020
18581

Der Text war bereits in der ersten Version ("Tractatus Mundo Digitali") ein abenteuerliches Unterfangen; eigentlich müsste man sagen: in der zweiten Version, wenn man den Versuch von 1921, das berühmte "Tractatus logico-philosophicus", mitzählt. Naja, wer will sich denn heute noch mit dem ollen Plunder beschäftigen. Und so beglückt Wittgenstein uns von Zeit zu Zeit mit einem neuen Versuch, das notwendige Denken auf den aktuellen Stand zu bringen.

Dieser neue Versuch, das hier angekündigte "Tractatus II", ist in Arbeit; noch ziert sich der Autor, aber bald ... 

 

Die (alte) WebSite zum "Tractatus Mundo Digitali" 

Der Teil 1 – der es sich zum Ziel gesetzt hat, die grossen Risiken unserer Zeit zu diagnostizieren, erschien zum denkbar günstigsten Zeitpunkt: am 28-02-2020. Vom Risiko einer Pandemie war nicht die Rede. Tja. Ehrlich gesagt: die Wenigsten hatten das auf dem Radar. Und an den Risiken: Finanzindustrie, Digitalisierung, Klimawandel und Migration – hat sich ja nicht viel geändert.

Das Buch steht zum Download bereit

komplett
Kapitel 1 Ökonomie
Kapitel 2 Digitalisierung
Kapitel 3 Ökologie
Kapitel 4 Migration
Kapitel 5 Nuklear, Corona et all.

Forget Wittgenstein “2.0” ein MultiMedia eBook komplett überarbeitet*

Lesebuch 15 Short Stories plus 1 "Bonustrack", ca. 289 Seiten
Hörbuch 15 Audiotracks plus 2 "Bonustracks", ca. 510 min
Videobuch 13 Videos, ca. 80 min Bilderbuch ca. 220 Abbildungen

* die Version 2.0 ist im Apple BookStore zum Preis von € 7,99 erhältlich
p.s. Das überarbeitete Tractatus II wurde in eine eigene Edition ausgegliedert