Mit dem Rauchen aufhören

Paul Krugman, eine Koriphäe

Wovon redet der?

 

Paul Krugman ist Träger des Nobelpreises für Ökonomie. Bevor wir über Sinn und Unsinn dieses Preises nachdenken – er ist überdies Professor in New York und war es Princeton, hat 27 Bücher geschrieben und ist Kolumnist der New York Times.

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Eine Koriphäe. Gleich bei der Morgenlektüre, ist diese Frage natürlich besonders bekloppt und geeignet, die Laune für den ganzen Tag zu verderben. 

Aber, verdammte Hacke, was redet der?!

Krugman’s Newsletter heute an seine Abonnenten – Hinweis: steht nicht auf der NYTimes Website (ich leite ihn gern weiter) – beginnt er mit einem Blick nach Japan, das im 4. Quartal einen Einbruch der Wirtschaftsleistung um – auf’s Jahr hochgerechnet - 6 Prozent zu verzeichnen hat. Es sei dies ein erwartbares Ergebnis gewesen, nichts, was mit dem Coronavirus zu tun hätte, sondern ausschliesslich mit einer „völlig irregeleiteten fiskalischen Austeritätspolitik“, die nämlich die Mehrwertsteuer erhöht habe (von 8 auf 10 Prozent).

Krugman argumentiert für ausgiebiges Deficit Spending und erklärt, nebenbei, warum die Zinsen so niedrig sind:

„The answer basically comes down to a global excess supply of saving: around the world, people want to save more than businesses are willing to invest in new factories, office parks, and so on.

Pensionskassen, Versicherungen, Portfolio-Verwalter? Nein, es sind zuviele Spargroschen auf dem Markt; ja, wer hätte das gedacht. Zu dieser Meinung kann man, aber was weiss ich schon!, nur gelangen, wenn man die Zentralbanken für unabhängig hält, die etwa nicht deshalb die Zinsen so abgrundtief in den Keller geschickt haben, weil sonst ihre Mutterstaaten die Zinslasten ihrer Kredite nicht mehr tragen, und somit pleite gehen würden. 

Allen voran Japan, dessen Staatsverschuldung mit mit knapp 240% des BIP weltweite Alleinstellung erworben hat. Im September letzten Jahres kommentierte das Handelsblatt:

„Und doch betreibt Mr. Abe ein Schuldenexperiment – das in dieser Form in keinem der großen Industriestaaten vorstellbar ist. Die Staatsverschuldung liegt bei sagenhaften fast 240 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). So viele Schulden hat in diesem Jahrhundert noch keine Industrienation in Friedenszeiten aufgehäuft. Trotzdem startete Abes Regierung im April nicht etwa mit einem Sparetat ins neue japanische Fiskaljahr. Nein, der Premier testet einmal mehr die Geduld der Anleihemärkte – mit einem erneuten Rekordhaushalt.“

Ich frage mich also: wovon redet Krugman?

Eine Ebene höher argumentiert Krugman für ein massives Schuldeninvestment in

„rebuilding our creaking infrastructure, subsidizing new technologies (especially green energy), and making sure that children have adequate health care and nutrition.“

Dabei ist das „wir“, das in dem „our“ steckt, global gemeint. Wer hört ihn?

„ …we’re not doing that in America: the Trump administration is borrowing vast sums, but squandering the money on tax cuts for corporations and the wealthy. Yet even that is preferable …“

Whow: even that! Mir schlackert die Retina. Seine Conclusio am Ende: „Now is the time to borrow and invest. But is anyone willing to do the obviously right thing?“

Wie gesagt, „who am i to turn that down!“ Wie aber kann ein so profilierter Ökonom ernsthaft und ungebrochen Wachstum predigen UND den Klimawandel als Faktum anerkennen? Ich bin weiss der Himmel kein Fiskalpolitiker und kann nur nachplappern, was die Kommentarlage hergibt, aber bei 240% …, also mindestens erwähnen und irgendwie einordnen hätte er das doch müssen, oder? Anyway: auf dem Glatteis kann ich mich nur blamieren; was ich aber genau weiss und mit eigenen Überlegungen lang und schlapp gezeigt habe ist (–> Kapitel 3), dass ein Einbruch einer Wirtschaftsleistung um 6% eine gute Nachricht ist. Dass das volkswirtschaftlich und sozial eine brisante Aussage ist? Klar, keine Frage. Will „ich“ meinen Job verlieren? Sicher nicht. Ich will aber auch nicht das Haus geflutet, die Ernste vertrocknet, eine Milliarde Menschen auf Wanderschaft geschickt und den Kindern und Enkeln den Planeten verkohlt haben.

Ich habe mit dem Rauchen aufgehört, nachdem mich eine Krankheit nachhaltig niedergestreckt hatte; ich bin der Krankheit noch heute dankbar. Irgendwo muss das Umsteuern mal anfangen. Wann kommt dieser MindShift wohl endlich im Mainstream an?